Meinen Freunden Caroline, Manfred und Nikolai, die beweisen, dass sich Intellekt und Anstand nicht notwendig ausschließen. 

Alle hier beschriebenen Personen und alle geschilderten Begebenheiten sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit realen Personen ist reiner Zufall und vollkommen unbeabsichtigt.

Ein Probenbühnenweihfestspiel

Man könnte fragen, warum ich dies niederschreibe, doch Konstantin zu dienen war für mich das größte. Er leuchtete wie eine brennende Lampe, die auf einen Leuchter gestellt wurde, allen im Hause.

I

Der Brief

Vor gut einer Dekade bewarb ich mich auf eine Hospitanz an einem renommierten Theater für eine Opernproduktion. Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass Konstantin Bene die Neuproduktion des Rosenkavaliers inszenieren würde. Bene inszenierte an den großen Häusern der Welt: Nozze, Traviata, Holländer – allesamt Inszenierungen für die Ewigkeit. Ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen, an den Moment, als ich die Hospitanzbestätigung in Händen hielt. Meine Mutter ist in mein Zimmer gekommen, in dem ich gerade ein Buch über das Naturrecht las und sagte, dass ein Brief für mich gekommen sei. Ich sprang von meinem Schreibtischstuhl auf und stürmte zu ihr. Meine Hände zitterten, als ich vorsichtig den Brief öffnete. 

„Juhu“, rief ich aus, „ich wurde genommen“. Ich war damals achtzehn Jahre alt, hatte gerade die allgemeine Hochschulreife erlangt und, da es seit früher Kindheit mein größter Traum war, Opernregisseur zu werden, konnte ich mein Glück kaum fassen, beim großen Konstantin Bene hospitieren zu dürfen. Meine Mutter freute sich für mich und auch mein Vater betrat aufgrund meiner überschwänglichen Freude mein Zimmer. 

„Wie lange geht das?“, fragte er, seines Zeichens Maler. „Sechs Wochen“, antwortete ich voller Vorfreude. 

„Und wie ist das entlohnt?“ Wie gesagt, seines Zeichens Maler.

Ich antwortete bestürzt: „Ich kann dem größten lebenden Opernregisseur über die Schulter blicken, das ist mehr wert als alles Geld der Welt!“

„Und wie bringt dieses ‚über die Schulter Blicken‘ Essen auf den Tisch?“

Mein Vater hatte kein Verständnis für die hohe Kunst. Hat er bis heute nicht. Die folgenden zwei Wochen waren besonders hart für mich. Die Vorfreude stieg ins Unermessliche. Ich las alles, was ich über Konstantin Bene im Internet finden konnte. Bene wuchs als Sohn zweier Anwälte in München auf, studierte Philosophie und Opernregie in Wien. Daraufhin heiratete er die Frau, die die Bühnenbilder seiner frühen Inszenierungen entwarf. Diese Ehe endete leider ein wenig unschön, da Konstantin während seiner Inszenierung der verkauften Braut an der Oper Unter den Linden eine Affäre mit einer Sängerin hatte. Nach der Scheidung jedoch hatte er seine kreative Hochphase.  Er schaffte es, den Schmerz seiner zerbrochenen Beziehung in seine Inszenierungen einfließen zu lassen. Nuanciert, aber vehement. Auf unbestimmte Art bestimmt. Einfach brillant. So gewann er für seine Wozzeck-Inszenierung hochverdient den ersten Faustpreis. Bene stellte Maries Beziehung zum Tambourmajor in den Vordergrund, wodurch Marie die Hauptschuld an ihrem Ableben zukam – welch brillanter neuer Denkansatz. Daraufhin gab es für Benes Karriere kein Halten mehr. Und ich, ich bekam die Möglichkeit, ich durfte beiwohnen, ihm, ihm dem großen, dem gottgeweihten Regisseur beiwohnen! Während ich diese Zeilen schreibe, merke ich, wie Tränen der ehrfurchtvollen Dankbarkeit über meine Wangen rinnen.   

Die Wochen bis zum ersehnten Probenbeginn vergingen langsam, doch schaffte ich es, mich durch intensive Vorbereitung einigermaßen abzulenken. Der Brief, der mir die Hospitanz bestätigte, hängt übrigens bis zum heutigen Tage eingerahmt über meinem Bett. Jedenfalls schlief ich die letzte Nacht vor Praktikumsbeginn überaus schlecht. Wie im Wahn wälzte ich mich umher, die Musik des Rosenkavaliers, den ich zu diesem Zeitpunkt täglich hörte, im Kopf. Ich sah mich, wie ich an der Seite KonstantinsBenes  Glückwünsche entgegennahm, ich sah Licht und hörte Stauss‘ Musik. 

II

Die Proben

Trotz der unruhigen Nacht war ich am nächsten Morgen hellwach und voller Tatendrang. Ich sprang unter die Dusche, frühstückte mit meiner Mutter (mein Vater war um diese Zeit schon arbeiten) und machte mich gegen halb neun in Jeans und Hemd auf den Weg. Probenbeginn war zwar erst um zehn, allerdings hatte ich eine weitere Anfahrt. An der Pforte angekommen, stellte ich mich vor und wurde kurze Zeit später von der Regieassistentin Marie, meiner Chefin für die nächsten Wochen, abgeholt. Marie war Mitte zwanzig und hatte Theaterwissenschaften studiert. Wir verstanden uns leider nicht sonderlich gut, was vor allem daran lag, dass sie meines Erachtens Konstantin nicht den ihm gebührenden Respekt entgegenbrachte. Doch dazu später mehr. 

Marie war schlank und relativ klein, ich würde sie auf ca. 1,60m schätzen, trug eine weite Jeans mit Löchern an den Knien und einen sportlichen Pullover. Ich fand ihren Aufzug in diesem beruflichen Kontext unpassend. Ihre langen dunklen Haare (sie gingen bis über ihr Gesäß) hatte sie zu einem Zopf zusammengebunden. 

Ich folgte ihr durch die labyrinthartigen Gänge des Opernhauses vorbei an der Kantine, in der bereits mehrere Mitarbeiter Kaffee tranken, vorbei an Werkstätten, Kostümbilderinnen, am Fundus, in dem dreißigtausend (!) Kostüme aufbewahrt werden. Marie stellte mich zahlreichen Personen vor – ich jedoch war gänzlich überfordert – kann mich an keinen einzigen Namen erinnern. Nur an die Assistentin des Intendanten erinnere ich mich lebhaft: Natalia. Sie war Anfang zwanzig, trug eine weiße Bluse, einen kurzen schwarzen Rock und eine schwarze Strumpfhose darunter. Außerdem duftete sie nach einer Mischung aus Kirsche und Honig. Nachdem Natalia von dannen gezogen war, sagte meine Chefin Marie zu mir: „Sie ist nicht die hellste Kerze im Leuchter, aber ich denke, Du wirst verstehen, warum Björn sie eingestellt hat.“ Björn Tiber war der Intendant des Hauses. Ein großer Mann. Ein wahrhaft großer Mann. 

Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Doch das nervöse Kribbeln in meinem Bauch erreichte erst seinen Höhepunkt, als wir Probebühne 3 – den Arbeitsplatz meiner nächsten Wochen – betraten. Links in dem turnhallenartigen Großraum mit den hohen Decken befanden sich ein schwarzer Flügel und einige Tische. Rechts wurde das Bühnenbild sporadisch nachgebaut: Man muss es sich wie einen großen Würfel vorstellen, und jede Seite des Würfels ergab einen anderen Schauplatz: Schlafgemach, Brunnen, Treppe und Fahrstuhl (die Handlung wurde in die 60er Jahre verlegt). Eine brillante Idee des Bühnenbildners. 

Kurz vor zehn kamen die ersten Personen auf die Probebühne. Der Kostümbildner Ferdinand Weger, zu dem ich wenig sagen kann, da er höchst selten bei den Proben anwesend war, seine Assistentin Hannah Fleischer, eine stets in bunte Farben gekleidete junge Dame, die einfach nicht still sein konnte, sowie ihre Hospitantin Evelyn (ihren Nachnamen habe ich zwischenzeitlich leider vergessen), die ebenfalls farbenfroh gekleidet war und ebenfalls ihren Rand nicht halten konnte.

Kurze Zeit später kamen einige Sängerinnen und Sänger (auch zu ihnen später mehr), die Maskenbildnerin Marianne Jordan, eine ältere Dame, und der Bühnenbildner Henrik Albricht, ein verweichlichter schwächlicher Mann. Er grüßte alle und fragte mich, wer ich denn sei und ob ich mich auf die Produktion freute. 

Dann betraten August Decker, der Generalmusikdirektor des Hauses und sein Assistent Peter Schubert die Probebühne. 

August grüßte alle überaus freundlich und umarmte die anwesenden Damen inniglich und herzlich. Nur Marie streckte ihm demonstrativ die Hand entgegen, als er auf sie zukam. 

So – es fehlte nur noch der Regisseur. Ich würde gerne erzählen können, dass wir alle auf ihn warteten, doch meine „Kollegen“ verhielten sich allesamt unmöglich: Sie unterhielten sich, tranken Kaffee und spaßten miteinander. Wussten sie denn nicht, dass es hier um das Höchste, nämlich die Kunst, ging? 

Plötzlich öffnete sich die Tür und ich konnte mein Glück kaum fassen: Schnellen Schrittes betrat Konstantin Bene den Raum und rief: „Ruhe auf Probebühne 3! Bis zur Pause!“ Endlich verstummten meine zukünftigen Kollegen. 

Konstantin trug ein Sakko über einem weißen T-Shirt und eine zerfranste Jeans. Seriös, aber cool. Streng, aber sportlich. Sein Outfit war genial gewählt.

Ich rückte schnell einige Tische zusammen und nach und nach nahmen setzten sich die auf der Probebühne versammelten Menschen Platz. Ich versuchte, einen Platz in der Nähe des großen Meisterregisseurs zu ergattern, und es gelang mir auch. Als alle saßen, blickte Konstantin – selbst ich durfte ihn am Theater duzen – in die Runde und fragte mich, wer ich denn sei. Ich antwortete, dass ich der Hospitant von Marie sei. Konstantin schaute mich eindringlich an: „Kannst Du weniger Präsenz zeigen?“

Ich ärgerte mich über mich selbst – ich war nur ein unwichtiger Teil der Produktion und versuchte, bei meinem großen Vorbild zu sitzen, aber natürlich hätte ich mich in den Hintergrund setzen sollen. Das tat ich auf seine Ermahnung hin auchIch tat, wie mir geheißen und zog mich zurück. Dann begann Konstantin, sein Konzept vorzustellen: Die Marschallin war sich ihrer Sterblichkeit bewusst – brillant! Seine Inszenierung würde eine für die Ewigkeit werden, davon war ich überzeugt. Daraufhin stellten Bühnenbildner und Kostümbildner ihre Ideen vor: Besonders die Zeichnungen der Kostüme Ferdinands wussten zu beeindrucken: Die Herrenrollen trugen Anzüge, die Frauen Kleider. Die Marschallin sollte zu Beginn des ersten Aktes ein Nachthemd aus feinster Seide tragen, das uns alle in Staunen versetzte. August schaute Mariah an, die die Marschallin sang und sagte: „Mariah, also Deine bezaubernden Kurven in diesem Aufzug – wie soll man sich da noch auf die Musik konzentrieren können?“

Marie atmete genervt aus: „Können wir uns vielleicht auf die Produktion konzentrieren, August?“

Ich konnte es nicht glauben, dass Marie es wagte, August Decker Widerworte zu geben! Ich ahnte bereits zu diesem Zeitpunkt, dass ich mit ihr meine Probleme haben würde. Und meine gute Menschenkenntnis sollte sich nicht täuschen. August antwortete gelassen: „Ja ja, Marie, Du hast ja recht.“

An Mariah gerichtet sagte er: „Wir werden noch genug Zeit haben, Deine Schönheit zu bewundern.“

Mariah lächelte nervös und schaute auf ihren Kaffee. Wie schön es doch für sie sein musste, von einem so großen Mann wie August Decker bewundert zu werden!

III

Der erste Akt

Nach einem längeren Gespräch begaben sich die Sänger in die provisorisch zusammengebaute Umkleidekabine und zogen sich um. Die Probenkostüme waren selbstverständlich nur ein Ersatz, doch manche kamen dem erdachten Original gefährlich nahe. Nachdem auch dies geschehen war, fingen wir endlich an zu proben. 

Für all jene, die den Rosenkavalier nicht kennen, sei die Handlung des ersten Aktes hier kurz zusammengefasst: 

Die Marschallin Maria Theresa Fürstin Werdenberg vergnügt sich mit ihrer Affäre, dem siebzehnjährigen Octavian Graf Rofrano. Durch ein Klopfen werden die Liebenden gestört. Es ist jedoch keineswegs so, dass das Paar vom Ehemann der Marschallin gestört wird, sondern von ihrem Vetter, dem Baron. Octavian verkleidet sich als Zofe, um nicht erwischt zu werden. Allerdings gelingt die Verkleidung so gut, dass der Baron Gefallen am verkleideten Octavian findet und ihn bedrängt (dieses Verwechslungsspiel ist wirklich ein humoristischer Geniestreich). Der Baron berichtet, dass er finanzielle Probleme hat und gedenkt deshalb, Sophie, die Tochter des wohlhabenden Herrn von Faninal, zu heiraten. Die Marschallin bietet dem Baron in diesem Zusammenhang Octavian als Rosenkavalier an. Nach dem als Quodlibet gestalteten Lever (in dem Intriganten, Bittsteller und Personal über die Bühne wirbeln) kommt es zu einem herzzerreißenden Duett, das verschiedenste Stimmungen durchläuft: leidenschaftlich-stürmische Beteuerungen Octavians („Und es war kein Feldmarshall, nur ein spaßiger Herr Vetter, und Du gehörst mir, Du gehörst mir!“), wehmütige Gedanken der Marschallin, die alle Männer zu kennen scheint („Quinquin, heut oder morgen geht Er hin und gibt mich auf um einer andern willen, die jünger und schöner ist als ich.“). Die Liebenden geraten immer tiefer ins Nicht-Verstehen.

Octavian wurde von Sandra Paulsen gesungen, einer wundervollen Mezzosopranistin mit wirklich herausragender Stimme; doch war es Mariah McCormac, die uns alle verzauberte. Sie war – und ist bis heute – die herzzerreißendste lyrische Sopranistin, die man sich vorstellen kann. Sandra hatte flammendes Haar und trug als Probenkostüm einen grauen Hosenanzug, der dem vom Kostümbildner vorgesehenen erstaunlich ähnelte. Mariah hingegen trug einen Morgenmantel, der rein gar nichts mit dem Original gemein hatte. Die erste Szene wurde von Konstantin auf besonders raffinierte Weise inszeniert. Sie war verspielt und innig, gleichzeitig jedoch ernst und distanziert. So kann nur ein wahrer Meister seines Fachs inszenieren. Octavian tänzelte über die Bühne, während die Marschallin ihn mit ihren Blicken verfolgte.

Wenn Octavian singt: „Warum ist Tag? Ich will nicht den Tag! Für was ist der Tag! Da haben dich alle. Finster soll sein“, sollte die Marschallin besonders nachdenklich wirken. Konstantin überlegte, doch konnte er sich nicht konzentrieren, da auf der Probebühne viel zu viel gemurmelt wurde. Die dämliche Kostümhospitantin konnte einfach nicht ihren Mund halten. Deshalb war es nur richtig, dass Konstantin schrie: „I need silence, silence, silence in this room.“

Plötzlich herrschte Ruhe und ich spürte ein Feuer in meiner Brust entflammen: Diese Autorität verlieh mir eine Gänsehaut, die ich bis heute nicht vergessen habe. Heil Dir Konstantin, Heil! Dann geschah etwas Faszinierendes. In der entstandenen Stille setzte er sich neben Mariah, die auf ihrem Probenbühnenbett saß. Er stützte sein Kinn auf seine geballte Faust. „Nachdenklich“, sagte er nochmal und ich wäre beinahe in tosenden Applaus ausgebrochen – welch brillanter Einfall! Mariah probierte die Szene und stützte ihren Kopf auf der geballten Faust ab. Es funktionierte – wie nachdenklich sie doch gleich wirkte. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper. 

Auch der Dirigent war beeindruckt: „Gar nicht mal so doof eigentlich“, murmelte er wegen des einer Transzendenzerfahrung gleichenden Regieeinfalls, „gar nicht mal so doof“. An dieser Stelle ist es vielleicht richtig, noch einige Worte zu August zu verlieren: August Decker studierte Musiktheorie in München und machte schnell Karriere. Seine Beiträge zu Weberns Zwölftonmusik werden immer noch weltweit rezipiert und er ist bis heute einer der genialen Köpfe zeitgenössischer Musik. Er spielt dahingehend eine entscheidende Rolle in dieser Geschichte, da er, vielleicht haben Sie es mitbekommen, zurzeit eine Haftstrafe absitzt. Lassen Sie mich zu den ekelhaften Gerüchten nur Folgendes sagen: Die zahlreichen Frauen, die ihn der Vergewaltigung bezichtigen, wollen ihm nur schaden, weil er sie zurückgewiesen hat. Frauen, deren Avancen zurückgewiesen werden, gleichen tückischen Tellerminen. Ihre Rachsucht sollte man nie unterschätzen! Ich jedenfalls habe von August viel gelernt. 

Zurück zu den Proben: Konstantin nickte zufrieden und schaute die auf der Probebühne sitzenden Personen an. Alle nickten beeindruckt.

In der darauffolgenden kurzen Probenpause war es mir gelungen, August und seinen Assistenten Peter zu belauschen, die sich über der Partitur brütend über das Orchestervorspiel der Oper unterhielten. 

Peter sagte: „Die Liebesnacht ist wirklich grandios: Stürmisch bewegt, Agitato und sehr überschwänglich. Strauss war wirklich auf der Höhe seiner Meisterschaft.“

August pflichtete ihm bei: „Ja, bis die innige Zärtlichkeit eintritt. Hier ruhen zwei Liebende Herz an Herz.“

„Wie er direkt die freie, aber stets tonale Harmonik bereits in den ersten sechs Takten darstellt. “

„E-Dur, As-Dur, C-Dur. Beeindruckend.“

„Beeindruckend.“

Für mich war vor allem beeindruckend zu hören, wie sich diese zwei Genies über Strauss‘ Musik unterhielten. So viel Wissen, gepaart mit so viel Liebe. Ich wusste, dass ich mich an August Decker würde halten müssen, er und Konstantin waren die mächtigen Männer dieser Produktion und von ihnen konnte ich am meisten lernen. 

Nach der Pause wurde die erste Szene noch einige Male geprobt und Konstantin nahm nuancierte Veränderungen vor. So neigte sich der erste Probentag dem Ende und ich war vollkommen überfordert mit den Eindrücken, die den Tag über auf mich einregneten. 

Mit Marie kam ich leider nicht weiter ins Gespräch, sie sagte nur, dass ich aufschreiben sollte, was an Requisiten oder Kostümen noch gebraucht werde. 

Beim Abendessen wollten meine Eltern hören, wie der erste Tag verlaufen war und ich stammelte nur inkohärent vor mich hin, weil ich selbst die ganzen Eindrücke noch zu verarbeiten hatte.

Nachdem die erste Szene fertig gestellt war, kam es in den folgenden Tagen für mich zu einer besonderen Freude: 

Es wurde die Szene geprobt, in der Octavian sich im ersten Akt verkleidet, weil der Baron eintrifft. Der Baron wurde von Hinrich Bjornson gesungen, der in Sankt Petersburg Gesang studiert hatte. Hinrich war ein lieber Kerl Mitte fünfzig, der eng mit August befreundet war. Beide fuhren regelmäßig gemeinsam mit ihren Frauen in den Urlaub. Nach Augusts Entlassung wunderte mich Hinrichs Verhalten etwas, doch auch dazu später mehr. 

Ich jedenfalls habe Tränen gelacht bei diesem brillanten humoristischen Verwechslungsspiel. Einzig die Assistentin des Kostümbildners und ihre Hospitantin nervten mich: sie konnten einfach nicht den Mund halten. Deshalb musste Konstantin manchmal lauter werden. „Ich bin heute extrem geräuschempfindlich – parallel reden: null“, rief er zum Beispiel und prompt verstummte das nichtssagende Geschwätz. Das war wahre Autorität. 

Konstantin inszenierte die Szene bewusst auf leichtfüßige Art schwermütig. So wie es nur ein wahrer Meisterregisseur zu inszenieren vermag. Auch August hatte seine große Freude, wenn er dabei zusah, wie der Baron dem verkleideten Octavian nachstellte.  August führte mich zudem ein wenig in die Musik des Auftritts des Barons ein. Stand bis zu diesem Zeitpunkt das Liebesspiel mit all seinen Facetten im Vordergrund (Leidenschaft, Zärtlichkeit, Eifersucht, Angst), wird dieses durch den Baron durchbrochen. Die Musik betont zwar seine Grandezza, zieht sie jedoch gleichzeitig ins Lächerliche. 

So sehr ich auch versuchte, mehr Kontakt zu Konstantin zu haben, waren es August und Peter, mit denen ich abseits der Proben Zeit verbrachte oder sagen wir, verbringen durfte. Ich saß eines Abends nach der Probe sogar neben August beim Abendessen. Wir gingen als Team zusammen essen. Mich freute es sehr, dass auch ich gefragt worden war. Auch die Kostümhospitantin war dabei. Wir gingen in ein Restaurant in der Nähe der Oper. Ich bin mir nicht mehr sicher, wer alles dabei war, aber auf jeden Fall waren es: August, Konstantin, Marie, Sandra, die Kostümassistentin Hannah und ihre Hospitantin Evelyn, Peter, Hinrich und ich. Auch die Dramaturgin nahm am Essen teil, die sonst mit der absolut unverzichtbaren Aufgabe der Erstellung des Programmheftes beschäftigt war. Mariah entschuldigte sich leider immer, wenn sie gefragt wurde, ob sie mitkommen möchte. 

Das Restaurant war sehr teuer, weshalb sich Evelyn und ich nur die Tomatensuppe bestellten (ich hatte zu diesem Zeitpunkt leider nicht sonderlich viel Geld zu Verfügung). Die anderen bestellten sich eine Hauptspeise, nur August langte zu: er bestellte sich Thunfischtartar, dann Rinderfilet und abschließend Tiramisu. So war er auch der letzte, der noch aß. Allerdings war August auch derjenige, der am meisten erzählte und somit die ganze Gruppe unterhielt: Er sprach über die Genialität Wagners und, dass es eine Schande sei, dass einer der größten Künstler aller Zeiten heute einzig der Kritik und der Lächerlichkeit preisgegeben werde. „Gerade in linken Kreisen“, so sprach er, „wird über Wagner gesagt, dass dieser nur die Gigantomanie kennen würde. Das ist grober Unfug. Wagner hat alles in die Extreme getrieben, das Laute wie das Leise. Und wenn sich solche Kleingeister über Wagner echauffieren, ist das einfach nur der blanke Wahnsinn!“ 

„Sehr richtig“, nickte Peter. Auch ich pflichtete ihm bei.

„Wagner ist dort oben“, sagte August und hob seinen rechten Arm, „während seine Kritiker dort unten sind.“ Er berührte mit seiner Handfläche zart den Boden. Diese Geste habe ich gespeichert. Auch danach sprach er fast ausschließlich über Wagner. So erklärte er uns, dass wir Deutschen als Kulturnation, als Volk nach wie vor fremdbestimmt seien. Wagners Ideen könnten dabei helfen, dieser Fremdbestimmung entschieden entgegenzutreten. „Und immer dieselben Themen“, sagte er, „Hitler. Die Juden. Und jetzt ist Wagner gar noch Sexist, weil er kein genderneutrales Menschenbild vertritt. Wir leben in absurden Zeiten. Das Schöne ist, dass die Wahrheit immer die Zeiten überstehen wird. Und Wagners Werk ist Wahrheit. Wenn seine erbärmlichen Kritiker also längst in Vergessenheit geraten sind, wird Wagners Werk immer noch stehen! Wagners Werk – das sind seine der Ewigkeit geschenkten Partituren und seine Weltanschauung.“

„Sehr richtig“, nickte Peter. 

So ging der Abend dahin und ich war wieder einmal unendlich dankbar dafür, dass ich die Chance hatte, so einem gebildeten Mann wie August Decker zuzuhören. 

Beim Bezahlen unterlief mir ein Fauxpas. Als die Rechnung kam, sagte August, dass diese gesplittet werde, da sonst das Rechnen zu kompliziert werden würde. 

Für mich war das eine Herausforderung, da ich für den ganzen Monat nur 200€ zur Verfügung hatte, und auch Evelyn schien sichtlich schockiert ob des Vorschlags, doch beide sagen wir nichts. So legten alle zusammen und bezahlten. Im Nachhinein verstehe ich August: Im Endeffekt ist es für einen Hospitanten von unbezahlbarem Wert, Personen wie ihm lauschen zu dürfen. Evelyn schien dies jedoch nicht zu verstehen. Sie ging daraufhin nicht mehr mit, wenn wir als Team etwas unternahmen. 

Das Team jedoch stand zu diesem Zeitpunkt bereits kurz vor dem Aus. Eine Anekdote zu August veranschaulicht, wie meine Chefin seinen Ruf schädigen wollte: August machte Mariah häufig Komplimente: „Du singst so schön, wie Du aussiehst“, sagte er zum Beispiel. Mariah lächelte immer glücklich über diese Art Komplimente. Aber meine Chefin Marie sprach August in einer Probenpause darauf an. Sie fragte ihn, ob er das nicht unterlassen könnte. Er aber reagierte zornig: „Das ist doch nur ein Kompliment und es gefällt ihr.“ Als Mariah mit ihrem Pausenkaffee eintrat, fragte August sie vor versammelter Mannschaft: „Mariah, stört es Dich, wenn ich Deine Stimme und Deine schönen Kurven lobe? Und Dir Tipps für die Karriere gebe?“ Mariah wurde feuerrot und schaute betreten zu Boden. „Nein, ich bin sehr geschmeichelt und dankbar“, sagte sie, während sie ängstlich zu August und Konstantin schaute. „Siehst Du Marie, da hast Du es!“, sagte August, ging zu Mariah, drückte sie an sich (sie lächelte währenddessen) und setzte sich selbstzufrieden hin. Ich war zu diesem Zeitpunkt schwer enttäuscht von meiner Chefin: War es wirklich notwendig, so einen Eklat auszulösen, wo doch für alle sichtbar war, dass Mariah dankbar für die Zuneigung Augusts war? Und Marie konnte sich nicht einmal ihre Niederlage eingestehen und murmelte: „So ein Arschloch.“ Sie scheint wirklich gar nichts von Männern zu verstehen, die einfach nur aus reiner Agape helfen wollen!

So viel zu meiner Chefin. Lassen Sie mich nun ein wenig von meinem Aufgabenfeld berichten. Ich wohnte den Proben bei und wurde als Statist eingesetzt, falls Not am Mann war. Ansonsten versuchte ich immer bereit zu sein, falls man mich brauchte: Kaffee besorgen, Requisiten holen, kopieren, alles, was verlangt wurde, tat ich voller Inbrunst. So kam ich auch ins Gespräch mit den verschiedensten Charakteren. 

Mit Augusts Assistenten Peter kam ich intensiver ins Gespräch, als die ersten Gerüchte über dessen angebliches Fehlverhalten die Runde machten. Es waren zu diesem Zeitpunkt Lappalien, wie anzügliche Bemerkungen und Whatsapp-Nachrichten. Marie, Peter und ich standen in der Probenpause zusammen; Marie stand selbstverständlich vollkommen unreflektiert auf der Seite der vermeintlichen Opfer: „Man muss August sofort von allen Pflichten endbinden. Ich dachte, diese Zeiten seien endlich vorbei.“ Peter entgegnete darauf vollkommen zurecht: „Man darf nicht vergessen, welch ein brillanter Mann August ist. Seine Schriften sind allesamt genial und, was er für die Musik getan hat, ist über jeden Zweifel erhaben.“ Ich stimmte ihm sofort zu und Marie schüttelte entnervt den Kopf. 

August selbst war unbeeindruckt von den Gerüchten über seine Person. Er sprach viel mit mir und unterrichtete mich. Eines Tages erzählte ich ihm, dass ein Schulfreund von mir in der Türkei Urlaub machte. Er sagte:

„Ich bin wirklich weder rassistisch noch islamophob, aber die Statistiken beweisen, dass von Menschen aus diesem Kulturkreis in Deutschland mehr Straftaten begangen werden als von Menschen anderer Kulturen. Und Statistiken können nicht lügen. Die Politik tut einfach nichts dagegen. Die Politiker wollen, dass die deutsche Kultur verdrängt wird. Auch dieser Bevölkerungsaustausch ist gewollt! Man darf nicht vergessen, dass das Gemeinwohl schon bei Aristoteles und Thomas von Aquin von entscheidender Bedeutung ist. Der Staat hat sich naturrechtlich um seine Bürger zu kümmern. Nur wer dies erkannt hat, hat die Wahrheit und das Gute auf seiner Seite.“

Anfangs war ich irritiert über seine Aussage, mehr und mehr verstand ich aber auch seine berechtigten Ängste. Man muss sich die Kriminalität auf deutschen Straßen nur einmal anschauen. Und die Politik tut nichts dagegen. 

Auch das Stadtbild ist eine Katastrophe. Ich war seltsamerweise der Einzige, der ihm wissbegierig zuhörte und seine Einsichten dankbar übernahm – aber schließlich war ich ja der Praktikant, er mein Lehrer.

Auch dem Judentum war er kritisch gegenüber eingestellt. Als die Dramaturgin Giulia eines Tages erzählte, dass sie großer Fan der Marx Brothers sei, erklärte August: „Ich bin wahrlich kein Antisemit, aber das Weltjudentum kontrolliert nun mal die Kunst und das Finanzsystem. Ganz Hollywood wird von Juden regiert! Das ist ein Faktum. Wir sind alle Marionetten der Zionisten.“

Doch schweife ich zu sehr von den Proben ab. Das Ende des ersten Aktes stand bevor und Konstantin musste das Nicht-Verstehen von Oktavian und der Marschallin inszenieren. Auch hier bewies der Regisseur ein unglaubliches Gespür für Raum und Zwischenmenschliches: die Marschallin entzog sich immer wieder Octavians Annäherungen und seinen Blicken. August kommentierte das Geschehen auf ironische Weise: „Den Blicken Octavians kannst Du Dich vielleicht entziehen, Mariah, meinen jedoch nicht.“ Mariah lächelte glücklich verlegen über dieses Kompliment. Am Ende der Szene saßen sich Marschallin und Octavian gegenüber und starrten ins Leere. Konstantin dachte nach. Plötzlich hatte er wieder einen genialen Gedankenblitz. „Verzweifelt!“, schrie er und sagte Sandra, dass Sie sich die Haare raufen solle, wenn die Marschallin singt; „Heut oder morgen oder den übernächsten Tag. Nicht quälen will ich Dich, mein Schatz. Ich sag, was wahr ist, sag’s zu mir so gut als wie zu dir.“

Im nächsten Durchgang raufte sich Sandra die Haare und ich spürte das Feuer in meiner Brust entflammen: Welch brillanter Einfall das wieder war! Es war erstaunlich, zu welchen künstlerischen Höchstleistungen das Genie Konstantin in der Lage war. Unglaublich! Unnachahmlich! Unfassbar!

So vergingen die Tage und wenn ich abends, nach zehn bis zwölf Stunden im Opernhaus, nach Hause kam, fand ich glücklicherweise immer noch die Zeit, mich auf die Literaturempfehlungen Augusts zu stürzen. So widmete ich mich Ernst Jünger und besonders In Stahlgewittern entfachte ein Feuer in mir, das ich so noch nicht kannte. Ich merkte, wie die Wochen an der Oper nach und nach mein Leben veränderten und mich zu einem wahren stolzen deutschen Manne machten. Ich fühlte mich wie in einem Rausch, die Proben waren ein Bildungserlebnis ohne gleichen. Auch mit Aristoteles und Thomas von Aquin beschäftigte ich mich aufgrund von Augusts Empfehlung näher. So verstand ich endlich, warum es ohne Hierarchien nicht geht: In der Politik (im dreizehnten Kapitel des ersten Buches) beschreibt Aristoteles das Verhältnis von freiem Mann, Sklave, Frau und Kind. Jetzt ist es so, dass es immer Herrschende und Beherrschte gibt. Diese unterscheiden sich entweder der Art nach (freier Mensch und Sklave), da der Sklave die Fähigkeit zur praktischen Vernunft überhaupt nicht besitzt, oder aber dem Grade nach (Mann und Frau/Kind). Die Frau nämlich besitzt die Fähigkeit zur praktischen Vernunft, jedoch nicht in vollem Ausmaß, das Kind wiederum besitzt diese Fähigkeit noch nicht. Sicherlich ist der Begriff Sklave heutzutage schwierig, allerdings sollte jedem klar sein, dass es nun einmal geniale weiße Männer gibt, die ihre Untergebenen brauchen. 

Auch das Verhältnis von Mann und Frau, das immer wieder viel diskutiert wird, findet bei Aristoteles seine naturrechtliche Bestimmung: Klar hat auch die Frau teil an der praktischen Vernunft, nicht jedoch in vollem Ausmaß! So hat eine Frau wie Mariah erkannt, wie viel sie August zu verdanken und wie viel sie noch von ihm lernen kann, meine Chefin Marie muss das erst noch begreifen. 

Ich für meinen Teil finde es nur unbeschreiblich, unglaublich, überwältigend, dass ich so viel Zeit mit derart brillanten Männern von wahrem Intellekt verbringen durfte.

Mit Konstantin kam ich leider nicht ins Gespräch. Ich wünschte ihm immer ein schönes Wochenende, doch er ignorierte mich selbstverständlich. Seine Gedanken und seine Kunst überstiegen meinen minderen Intellekt. Ich hätte mich an seiner Stelle auch nicht gegrüßt. 

Meine Chefin Marie beachtete mich auch immer weniger. Einmal meinte sie, mich nach der Probe unter vier Augen zurechtweisen zu müssen, da ich die anderen den Proben beiwohnenden Personen zur Ruhe ermahnt hatte. Ich jedoch hielt es für meine Pflicht, auf der Probebühne für Ruhe zu sorgen, um Konstantin eine Atmosphäre zu schaffen, in der er zu so zahlreichen genialen Einfällen kommen konnte. Marie meinte, dass ich nicht dazu da sei, anderen zu sagen, was sie zu tun hätten, doch widersprach ich ihr trotzig. Sie war zwar offiziell meine Vorgesetzte, doch galt meine Treue einzig Konstantin Bene! Überhaupt wird Marie niemals die Autorität eines Konstantin Bene erreichen – dafür ist sie viel zu unseriös. Man sollte sich gerade bei der Arbeit mit Späßen und Humor zurückhalten. Erst recht bei der Kunst! Nur in ernsthaftem Streben nach dem Höchsten ist es möglich, dieses auch zu erreichen. Konstantin war sich dessen bewusst.

Leider wurde das Gemurmel über Augusts angebliches Fehlverhalten lauter und Konstantin konnte gerade noch das herrliche Ende des ersten Aktes inszenieren, bevor August von einem Kapellmeister des Hauses, Benedikt Korbinian Paulus Mayr, ersetzt wurde. Peter blieb der Produktion als Assistent des neuen Dirigenten erhalten. 

Zu dieser Zeit trat der Rosenkavalier leider etwas in den Hintergrund. Jeden Morgen brüteten wir über der Zeitung und verfolgten die neuesten Anschuldigungen. So soll er nicht nur anzügliche Bemerkungen gemacht haben, angeblich nutzte er seine Position auch aus, um Musikerinnen, die auf seine Hilfe und sein Wort angewiesen waren, zum Geschlechtsverkehr zu zwingen. Immer mehr Personen der Produktion äußerten sich negativ. „So ein mieses Arschloch“, sagte Hinrich, der den Baron sang. Er hatte bereits mehrere Jahrzehnte mit August zusammengearbeitet, aber glaubhaft beteuert, nichts von dessen Fehlverhalten gewusst zu haben. „Wenn ich gewusst hätte, dann aber…“, sagte er und ballte die Faust. 

Marie war härter in ihrem Urteil: „Unfassbar, dass ich drei Jahre lang im selben Haus gearbeitet habe wie dieses Arschloch. Hätte er halt mal wieder wie jeder normale Kerl einfach irgendwelche Pornos geschaut!“ 

Ich sagte daraufhin, dass die Vergewaltigung ja eine Sünde gemäß der Natur sei (secundum naturam), da sie auf das natürliche Ziel (telos) der Nachkommenschaft zielt, während die Masturbation eine Sünde wider die Natur sei (contra naturam), da sie nicht auf Nachkommenschaft zielt. Marie starrte mich entgeistert an, schüttelte den Kopf und verließ die Runde. Sie konnte meiner Argumentation nicht standhalten – mit mir sprachen Aristoteles und Thomas!

Einzig Peter war loyal gegenüber seinem in der Kritik stehenden Vorgesetzten: „Man darf nicht vergessen, welch ein brillanter Mann August ist. Seine Schriften sind allesamt genial und was er für die Musik getan hat, ist über jeden Zweifel erhaben.“ 

Mariah überspielte den Verlust Augusts sehr überzeugend. Man hätte meinen können, dass sie sich wirklich freute, dass August weg war, aber meinem geschulten Auge entging nichts: insgeheim war sie sehr traurig, dass ihr Verehrer und Förderer nicht mehr in jeder Pause an ihrer Seite war. Der neue Dirigent Benedikt war ein ganz anderer Charakter: zwar war auch er ebenso musikalisch begabt, jedoch deutlich stiller und zurückgezogener. Mit den Musikern sprach er ausschließlich über Musik. Mich grüßte er freundlich, doch sonst brachte er mir nichts bei. Konnte ich von August so viel über Musik, Politik, Philosophie, Jura, Literatur und Kunst im Allgemeinen lernen, sprach Benedikt überhaupt nicht über solche Themen. In einer Probenpause fragte ich ihn, wie er zu August stehe, und er antwortete daraufhin, dass Gerichte zu entscheiden haben, was mit ihm geschehe. 

So liefen die Proben ohne den Generalmusikdirektor weiter. Es war anders. Peter und ich vermissten August, doch die anderen schienen mit Benedikt auch sehr zufrieden zu sein. Zwar hatte er nicht so eine herzliche Art wie August, doch die professionelle Kühle war ebenso zielführend. Ein Vollprofi wie Konstantin ließ sich ebenfalls nicht von solchen Lappalien beeindrucken. Er inszenierte den zweiten Akt ebenso souverän wie den ersten. 

IV

Der zweite Akt

Lassen Sie mich an dieser Stelle erneut die weitere Handlung des Werks zusammenfassen: Der zweite Akt spielt im Hause des Herrn von Faninal. Seine Tochter Sophie erwartet den Rosenkavalier, der ihren Bräutigam ankündigt. Als Octavian Sophie gegenübertritt, verliebt er sich augenblicklich in sie. Der auf Octavian folgende Baron verhält sich gewohnt rüpelhaft, was Sophie selbstredend gar nicht gefällt. Heimlich küssen sich Sophie und Octavian, werden dabei von einem italienischen Intrigantenpärchen (Valzacchi und Annina) beobachtet und verraten. Den Baron stört dies nicht weiter, Octavian jedoch fordert ihn auf, von Sophie abzulassen. Er verwundet ihn mit seinem Degen. Sophies Vater droht ihr, sie in ein Kloster zu schicken, sollte sie den Baron nicht heiraten. 

Der Baron wiederum bekommt am Ende des zweiten Aktes einen Brief mit einer Einladung der Kammerzofe der Marschallin überbracht.

Faninal wurde von Thomas Brauer gesungen, einem Bariton aus dem Norden. An sich war er ein lieber Kerl, doch hin und wieder nervte er. Wenn er anfing zu erzählen, dann hörte er gar nicht mehr auf. Seine Stimme war jedoch, wie die aller Sänger der Produktion, wunderschön. 

Er hatte einen dunkelblauen Anzug zu tragen und wusste die Anweisungen Konstantins sehr gut umzusetzen. Wenn er zu Beginn des zweiten Aktes singt „Ein ernster Tag, ein großer Tag, Ein Ehrentag, ein heikler Tag!“, sollte er dies freudig aufgeregt tun. Auch dieser Einfall Konstantins war einfach brillant. 

Sophie küsste ihm währenddessen getreu dem Libretto die Hand. Sophie wurde von der unvergleichlichen Nike Nast gesungen. Diese trug als Probenkostüm ein grünes Kleid, das dem von Ferdinand entworfenen jedoch wahrlich nicht gerecht wurde. Ich könnte noch ausführlicher über den Dialog von Sophie und Marianne (gesungen von Seo-yun Kim, mit der ich leider kaum sprach) schreiben, will mich jedoch auf das Aufeinandertreffen von Octavian und Sophie konzentrieren. 

Zuvor muss ich jedoch noch eine Situation mit meiner Chefin Marie schildern. Ich erzählte ihr während einer Probenpause, dass ich schwer enttäuscht von Seo-yuns Deutschkenntnissen war. Seo-yun war zwar noch Studentin und es war ungewöhnlich und gleichzeitig beeindruckend, dass sie Marianne sang, doch lebte sie zum Zeitpunkt der Proben bereits zwei Jahre in Deutschland. Und ihr Deutsch war wirklich schlecht. Musikalisch muss sie sehr gut gewesen sein (Benedikt sagte mal, sie sei den anderen in ihrem jungen Alter bereits weit voraus gewesen), allerdings konnte man sich nur auf Englisch mit ihr unterhalten. Also sagte ich zu Marie: „Seo-yuns Deutsch ist schwach. Sie sollte sich schämen.“

Daraufhin blaffte Marie mich an: „Ich will mal sehen, wie Du koreanisch nach zwei Jahren sprichst. Außerdem kannst Du ja wohl Englisch.“

Zwar hatte ich dreizehn Jahre Englischunterricht in der Schule, doch war ich nie besonders gut in Sprachen. Aber Maries Vergleich hinkt auch: Wir leben nun einmal in Deutschland und dort hat man gefälligst Deutsch zu sprechen!

Wie auch immer: Das Aufeinandertreffen von Octavian und Sophie wurde von Konstantin mit so viel Gespür für Liebe und Zuneigung inszeniert, dass mir die Tränen kamen. Bevor er sich der Szene widmete, drehte er sich zu uns, legte den Zeigefinger auf seine Lippen und sagte: „Shhh, shhhh, shhh, nicht zu laut alle.“ Dann begann er zu arbeiten. Die Interaktion von Sandra und Nike wurde immer zärtlicher und als die Szene fast zu Ende gestellt war, sagte Konstantin zu Sandra: „Versteh nix mehr, versteh nix mehr, versteh nix mehr – mehr dieses.“ Sandra setzte diese brillante Regieanweisung sofort um und die Szene war perfekt. Gleichzeitig war auch eine Prise Humor in der Inszenierung zu entdecken. So ließ Konstantin Sandra ein wenig tollpatschig und unbeholfen um Nike herumscharwenzeln.

Doch wenn Nike singt „Ich bin Euer Liebden sehr verbunden. Ich bin Euer Liebden in aller Ewigkeit verbunden.“, sollten sich Nike und Sandra, wie bereits erwähnt, verständnislos verwirrt in die Augen schauen. Es war herzzerreißend, das mit anzuschauen – und natürlich zu hören. An dieser Stelle versuchte ich, Kontakt zu Benedikt aufzunehmen. Ich sagte zu ihm: „Die Verwirrung der beiden. Ein genialer Einfall Konstantins. Brillant umgesetzt. Phänomenal.“

Benedikt schaute mich nur stirnrunzelnd an: „Steht ja im Libretto. Wir wollen mal nicht so tun, als hätte Konstantin das Rad neu erfunden.“

Sicherlich hatte er recht: so hat es Hofmannsthal geschrieben. Trotzdem wusste nur Konstantin mit dieser Anweisung so eine geniale Szene zu stellen. Wie ich August vermisste. August erklärte mir so viel und war so leidenschaftlich. Wie er Mariah immer herzte und liebkoste. Wie er Sandra, ohne dass sie ihn hätte auffordern müssen, immer liebevoll den Rücken rieb, damit sie sich entspannen konnte. All das fehlte maßlos. Benedikt erledigte einfach nüchtern seinen Job. Ich fragte Benedikt eines anderen Tages, ob ihm die Inszenierung grundsätzlich gefalle. Er erwiderte trocken, dass er für die Musik und nicht für Inszenierung zuständig sei. Mit den Sängerinnen und Sängern jedoch sei er sehr zufrieden. 

Zurück zur Inszenierung: Diese Verzweiflung der von Amor geküssten Liebenden wurde einfach nur unbeschreiblich umgesetzt. Die Szene mit dem Baron und Sophie wurde als Gegenüberstellung verschiedener Gemütszustände inszeniert. Während der Baron herumstolziert ziert sich Sophie und flieht vor ihm über die Bühne. Tumult und Duell wurden wieder virtuos vielfältig inszeniert. Faninals strenge Ansprache („Gibst Nein anstatt Ja zur Antwort. Ich steck Dich in ein Kloster Stante Pede“) wurde von Thomas derart gut dargestellt, dass selbst mir angst und bange war. Konstantin verstand es wie kein zweiter, zwischen den verschiedenen menschlichen Gemütszuständen zu schalten – wenn Ruhe auf der Probebühne war. 

Das Spielerische der Inszenierung kehrte wieder, als Annina (gesungen von Anna Hilda, einer dänischen Altistin. Viel kann ich nicht zu ihr sagen, außer, dass sie Mitte dreißig war und August keines Blickes würdigte, als er noch die Produktion betreute. August nannte sie deshalb zurecht eine verbitterte Krähe) den Brief an den Baron übergibt. Sie tanzten umeinander und der Baron hüpfte vor Freude, als er erfährt, dass die Kammerzofe der Feldmarschallin um ein Treffen bittet (welch ein witziges Verwirrspiel sich von Hofmannsthal doch ausgedacht hat).

Leider kam zu dieser Zeit die nächste Nachricht über August. Er habe angeblich eine Jungstudentin vergewaltigt, die sich daraufhin suizidierte. 

Auch Peter ging diese Nachricht nahe: „Wenn das stimmt, ist es wirklich eine Tragödie. Aber man darf nicht vergessen, welch ein brillanter Mann August ist. Seine Schriften sind allesamt genial und was er für die Musik getan hat, ist über jeden Zweifel erhaben.“ 

So begann die Arbeit am dritten und letzten Akt wieder mit gedrückter Stimmung, doch wieder verzauberte Konstantin mich mit seinen genialen Einfällen. 

V

Der dritte Akt

Annina, Valzacchi und Octavian haben dem Baron eine Falle gestellt. Octavian tritt wieder verkleidet auf. Annina tritt ebenfalls verschleiert auf, während der Baron den verkleideten Octavian umgarnt. Annina hat vier Kinder mit sich und behauptet, dass der Baron deren Vater sei. Der Baron verliert die Fassung und ein Polizist greift ein, um die Situation zu schlichten. Sophie, Faninal und die Marschallin kommen hinzu. Auch Faninal stellt sich nun gegen die Hochzeit des Barons und seiner Tochter. Die Marschallin jagt den Baron davon und gibt Octavian frei für Sophie.

Das Spektakel zu Beginn wurde unglaublich humorvoll inszeniert: Der fassungslose Baron taumelt über die Bühne, als Annina mit den Kindern auftritt. Das Terzett am Ende wurde wieder unglaublich gefühlvoll inszeniert: Konstantin hatte einen letzten brillanten Einfall. Zu Mariah sagte er: „Schau Octavian leer an. Leer, nicht traurig. Großer Unterschied.“ Dieser große Mann wird mir auf ewig als das Genie in Erinnerung bleiben, das er ist. Manche werfen der Inszenierung Inkonsequenz vor, doch diese Aasgeier verstehen einfach Konstantins geniales Konzept nicht! Oder sind einfach neidisch. 

Ich könnte nun noch viel über die Inszenierung Konstantins sprechen. Doch zum einen will ich die Geduld meiner verehrten Leser (Zuhörer) nicht überstrapazieren, zum anderen vermag ich es nicht in Worte zu kleiden, wie übermenschlich Konstantins Arbeit wirklich ist. Es bleibt mir nur Ihnen zu wünschen, dass auch Sie die Chance bekommen werden, diesen Rosenkavalier einmal live bewundern zu dürfen.

Lassen Sie mich zu guter Letzt noch ein wenig über mein weiteres Aufgabengebiet und die letzten beiden Probenwochen sprechen. Diese waren für mich besonders spannend, denn in den letzten Wochen vor der Premiere wurde auf der großen Bühne und nicht mehr auf der Probebühne geprobt. So fügten sich die einzelnen Bausteine zu einem Ganzen zusammen. Das erste Mal die Szenen am Stück zu sehen – atemberaubend. Das erste Mal alle Sänger und Sängerinnen im Originalkostüm zu sehen – atemberaubend. Das erste Mal das fertige Bühnenbild zu sehen – atemberaubend. Und dann, die ersten Proben mit Orchester. Welch fulminante Erfahrung. Ein Augen- und Ohrenschmaus ohne gleichen. Die letzten zwei Wochen der Produktion waren für mich unbeschreiblich und ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen daran zurück, wie mir eines Abends bewusstwurde, dass die Hospitanz unaufhaltsam dem Ende entgegenschritt: Ich konnte und mochte mir kein Leben ausdenken, in dem ich Konstantin nicht bei seiner messianischen Art zu inszenieren zuschauen durfte: ich fühlte mich leer und traurig zugleich. Obwohl das ja eigentlich ein großer Unterschied ist. Doch so ist es mit den schönsten Dingen im Leben: auch sie gehen zu Ende.

Zu meinen Aufgaben: Ich hatte wirklich die Möglichkeit, der gesamten Produktion beizuwohnen. Und ich war überaus wichtig:

Bei den szenischen Proben durfte ich hin und wieder etwas holen, wenn etwas fehlte. Bei den Beleuchtungsproben wurde ich regelmäßig auch als Statist eingesetzt – das wurde sogar mit fünf Euro die Stunde fürstlich entlohnt. 

Ich hätte es auch umsonst getan. Es war beeindruckend auf der Bühne zu stehen, sozusagen die Rolle eines Stars einzunehmen und sich von sämtlichen Lampen des Theaters beleuchten zu lassen, bis Konstantin das passende Licht für die Szene gefunden hatte. Und für diese wundersame Erfahrung noch Gehalt zu beziehen, war unbeschreiblich. Es war auch gut für mich, da ich mich verschuldet hatte, um zu Beginn der Produktion regelmäßig mit August essen gehen zu können.

Jedenfalls nutzte Konstantin beim Leuchten auch das gesamte Spektrum der Möglichkeiten: manchmal wollte er wärmeres Licht, manchmal kälteres. Manchmal verlangte er nach hellerem Licht, manchmal wollte er es weniger hell. Wie auch immer er sich entschied – es war brillant. 

Kurz vor der Premiere gab es leider weitere Neuigkeiten über August: Bei Gesangsunterricht, der bei ihm zu Hause stattgefunden hatte, setzte er angeblich mehrere dutzend Sängerinnen unter Drogen und vergewaltigte diese daraufhin. Es war unfassbar. Die ganzen Beteiligten der Produktion wussten nichts von dieser Art Verhalten, sie waren zwar jahrzehntelang mit ihm befreundet, doch davon mitbekommen hatte niemand etwas. Peter war der Einzige, der passende Worte fand: „Wenn das stimmt, hätte er das wirklich nicht tun sollen. Aber man darf nicht vergessen, welch ein brillanter Mann August ist. Seine Schriften sind allesamt genial und was er für die Musik getan hat, ist über jeden Zweifel erhaben.“

Ich selbst werde August als Meister seines Fachs in Erinnerung behalten. Selten habe ich in so kurzer Zeit so viel von einer Person gelernt. Man sollte sein Werk nicht kleinreden. Auch wenn sein weltumarmender Eros hin und wieder die Grenzen der ‚bienseance‘ überschritt.

VI

Die Premiere

Die große Premiere. Unbeschreiblich. Fulminant. Die höchsten Höhen empfindend schritt ich Richtung Opernhaus, meine Freikarte in der schwitzigen Hand haltend. Als wäre ich nicht genug dadurch entlohnt gewesen, Konstantin bei der Arbeit bewundern zu dürfen, bekam ich sogar eine Freikarte für die Premiere. Der Platz war sicherlich nicht perfekt, ich saß im dritten Rang ganz rechts in der hintersten Reihe, aber wenn ich mich vorlehnte, konnte ich tatsächlich das linke Drittel der Bühne erblicken. Leider war es mir im dritten Akt nicht möglich zu erkennen, wie die Marschallin geschaut hat, aber ich bin mir sicher, dass sie leer und nicht traurig schaute. 

Wie auch immer, die Premiere war ein voller Erfolg. Zwar schnarchte mein Sitznachbar zwischenzeitlich, doch das störte mich nicht. Meine volle Aufmerksamkeit galt dem Rosenkavalier. Nach dem Finale ging ich innerlich berauscht zur Premierenfeier, an der ich teilnehmen durfte. Ich saß an einem Tisch mit den Assistenten (Marie trank an diesem Abend viel zu viel Alkohol – es war arg peinlich anzuschauen) und blickte sehnsüchtig zum Tisch Konstantins. Dort saß er mit seiner Familie, dem Dirigenten und dem Intendanten des Hauses. Was mir sehr leid für Konstantin tat, ist, dass er an jenem Abend an einer Blasenerkrankung gelitten haben muss. Alle zehn Minuten rannte er auf die Toilette. Allerdings kam er jedes Mal gut gelaunt und voller Tatendrang zurück. Manchmal klatschte er sogar in die Hände. Das ist ein wahrer Meister, der sich nicht mal von so etwas den Abend vermiesen lässt. Er hätte sicher auch krankheitsbedingt zu Hause bleiben können, doch zog er es vor, bei seinem Kind, der Inszenierung des Rosenkavaliers, zu sein. 

Mein größter Moment kam, als wir uns begegneten. Er kam gerade von der Toilette, als ich plötzlich vor ihm stand. Ich wies ihn daraufhin, dass noch Puderzucker von der gereichten Nachspeise (Kaiserschmarrn) in seinem Oberlippenbart hing. Er wischte den Zucker schnell weg und sagte: „Danke Martin für Dein Engagement.“ Dann zog er von dannen und ich konnte mein Glück kaum fassen! Er bedankte sich bei mir. Zwar nannte er mich Martin, obwohl ich Albert heiße, doch das war mir egal. Er bedankte sich bei mir. Dem untersten Glied der Nahrungskette. Daran erkennt man die wahre Größe des Konstantin Bene. 

Konstantin gewann für seine Inszenierung hochverdient den Faustpreis. Die Jury lobte besonders die emotionale Bandbreite der Inszenierung. Der Blick der Marschallin fand in der Begründung leider keine Beachtung. So oder so kann die heilige deutsche Kunst Konstantin auf ewig dankbar für seinen Rosenkavalier sein, genau wie ich es bin – und alle, die das Vergnügen hatten, diese Inszenierung sehen zu dürfen. 

Abschließend möchte ich noch etwas über meine Chefin Marie sagen. Sie kam später am Abend der Premierenfeier noch zu mir und sagte wieder einmal Unmögliches. Plötzlich stand sie stark angetrunken in ihrem bauchfreien Outfit (dieses aufreizende Outfit war wirklich nicht notwendig und unpassend!) vor mir, legte ihre Hand auf meine Schulter und lallte voller Überzeugung: „Albert, ich bin echt froh, dass ich das Arschloch August und das Arschloch Konstantin nicht mehr sehen muss! Aber vor allem bin ich froh, dass ich Dich hirnverbrannten Vollidioten nie wieder sehen muss.“